Wer öfters auf der Surbtalstrasse zwischen Lengnau und Endingen unterwegs ist, dem ist die auf den ersten Blick eher unscheinbare Häusergruppe sicher schon aufgefallen: denn bei wem steht schon eine gelb gestrichene Strassenwalze im Garten? Und die Hydranten gleich im Dutzend vor dem Haus?
Tafeln weisen darauf hin, dass sich hier das «Museum Feuerwehr, Handwerk, Landwirtschaft» befindet. Es hat seinen Ursprung in der Sammlung von Walter Huber-Müller (1921–2013). Der aus Oberrohrdorf stammende, gelernte Huf- und Wagenschmied war der Patron der Silobau-Firma Huber, die ihren Sitz in Lengnau hat.
Am Anfang stand eine Feuerwehrspritze
Nachdem Huber in den 1970er-Jahren eine Mülliger-Spritze mit Jahrgang 1864 entdeckt hatte, reiste er mit seiner Gattin Rosmarie und später mit seinem Sohn Walter während Jahrzehnten von Flohmarkt zu Flohmarkt und trug so Handwerkergegenstände und Feuerwehrutensilien zusammen. Durch seine zahlreichen Kontakte zu Bauernfamilien, die Kunststoff-Silos seiner Firma nutzten, kam er auch zu vielen landwirtschaftlichen Sammelstücken aus vergangenen Zeiten.
1982 kaufte Huber die Liegenschaften im Schöntal, um die Sammlung unterzubringen. Seit 1999 ist sie öffentlich zugänglich, seit dann gibt es auch den Verein Aargauisches Feuerwehr- und Handwerkermuseum, der sich um den Museumsbetrieb kümmert.
Von Beginn weg ist auch der ehemalige Lengnauer Gemeindeammann Kurt Schmid im Vorstand aktiv. 2022 hat er mit seiner Familie das Museum übernommen. Die Museumsgebäude mit Sammlungsstücken und dem rund einen Hektar grossen Areal gehören heute einer Familiengesellschaft.
Das Erbe weiterentwickeln
«Wir möchten das Erbe von Walter Huber nicht verstauben lassen, sondern es weiterentwickeln», beteuert Schmid, der das Museum als eines seiner Hobbys bezeichnet. Soeben hat er die Postgeschichte von Lengnau geschrieben, welche nun im Museum beim «Postschalter Endingen» aufliegt. Schmids Vision will nicht nur alte Gegenstände zeigen, sondern auch Bezüge zur modernen Welt herstellen. So ist zum Beispiel eine moderne Video-Drohne ausgestellt oder ein 21-bändiges Brockhaus-Lexikon neben einem Speicherstick: «Auf den 64 Gigabytes kann man 1000-mal soviel Informationen abspeichern wie in den Büchern gedruckt ist», erklärt Schmid.
Viele Tausend Sammlungsstücke machen das Feuerwehr- und Handwerkermuseum zum grössten seiner Art in der ganzen Schweiz. «Nirgendwo wird die Feuerwehrgeschichte der Schweiz so umfassend gezeigt wie hier», betont Schmid. Der älteste Löscheimer, mit denen in früheren Jahrhunderten jeder Haushalt ausgestattet sein musste, stammt aus dem Jahr 1642. Anhand von 60 verschiedenen Hydrantentypen, viele von der Firma Von Roll gegossen, lässt sich ablesen, wie sich das Löschwesen weiterentwickelt hat. Von den in der Schweiz hergestellten Typen fehlen nur etwa ein Dutzend in der Sammlung.
Dazu gibt es Feuerwehrfahrzeuge aus verschiedenen Epochen zu bewundern, von der mit Pferden gezogenen Handdruckspritze über einen roten Ford T von 1907 bis zu moderneren Löschfahrzeugen und Motorspritzen. Des Weiteren Uniformen, Abzeichen, Literatur, Modelle und vieles mehr.
Selber hat Schmid übrigens nie Feuerwehrdienst geleistet, das Metier lernte er aber als Gemeinderat kennen: «Zeitweise war ich für das Ressort Feuerwehr zuständig, was mir etwas Einblick gegeben hat.»
Grosses Berufsmuseum
«Wir haben festgestellt, dass wir das grösste Berufsmuseum in der Schweiz sind», meint Kurt Schmid als ehemaliger Gewerbeverbandspräsident. Hier werden rund 100 verschiedene Berufe vorgestellt, zum Teil mit voll ausgestatteten Werkstätten aus früheren Epochen. «Damit haben wir mehr als das Museum Ballenberg, wo nur etwa 50 Handwerke vorgestellt werden», sagt Schmid. Viele Berufe sind mit all ihren Handwerkzeugen ausgestattet. Im Bereich der Landwirtschaft befinden sich auch viele Raritäten. Dabei wird bewusst, dass jene Maschinen, Werkzeuge und Geräte von den Handwerkern gefertigt wurden.
«Museumstal» Surbtal
Das Museum im Schöntal ist bei Weitem nicht das einzige in der Umgebung. «Das Surbtal ist das Museumstal», stellt Schmid fest: «Niederweningen glänzt mit dem Mammutmuseum, Schneisingen und Lengnau haben ein Dorfmuseum, in Endingen unser Museum, und Tegerfelden das Aargauer Weinbaumuseum.» Auch das jüdische Kulturerbe sei präsent und erhalte mit dem kürzlich gestarteten Bau des Zentrums Doppeltür gerade neuen Schub.










