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ZURZACH

Bahntechnik-Dienstleister plant Einzug in den Sodi Industriepark

Die Peko AG kennt man im Flecken. Die Firma hat ihren Hauptsitz seit Jahrzehnten an der Ocostrasse 1. Peko tritt mit zwei Brands am Markt auf: «Peko People Solutions» und «Peko RailTec». Erstere bietet den branchenübergreifenden Personalverleih und die Vermittlung von Fachkräften an, letztere gilt in der Welt der Bahntechnik als Projekt- und Personaldienstleister mit bahnaffinem Personal. Peko möchte nun den Geschäftsbereich Bahntechnik innerhalb des Sodi Industrieparks weiter ausbauen – und plant dafür einen eindrücklichen Hallenbau.
Peko Sodi Industriepark
Die Visualisierung der Peko AG zeigt, wie die neue Halle im Sodi-Areal ausgestaltet sein wird.

Stadler, Alstom, Siemens und SBB – alles grosse Namen im Bahnbusiness, und alles Kunden der Peko AG aus Bad Zurzach. Auf der Referenzliste erfolgreich durchgeführter Bahntechnik-Projekte stehen aber auch die Namen etwas kleinerer Bahnunternehmen, zum Beispiel der Pilatusbahn, der Matterhorn Gotthard Bahn oder der Südostbahn.

Für Hersteller wie Stadler und Siemens hat Peko RailTec schon ganze Zugserien auf den neusten Stand der (Bahn-)Technik gebracht. So wurden Hunderte von Bahnwagen mit dem Europäischen Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet. Oder sie hat für diverse Betreiber ganze Fahrzeugflotten modernisiert. So ein «Refitprojekt» beginnt in der Regel bei der Erneuerung von Armlehnen, Sitzpolstern und Böden, geht über den Einbau von Steckdosen an Sitzplätzen, den Einbau neuer Bordnetzumrichter und den Umbau von Türsystemen bis hin zur Integration neuer Zugsysteme wie beispielsweise Kundeninformationssysteme oder Brandbekämpfungsanlagen.

Eines der aktuell grösseren Projekte der Peko RailTec ist die Elektrifizierung von fünf Aeam 841 für die Müller Technologie AG. Dies sind sogenannte Tribrid-Lokomotiven. Tribrid steht für die drei verschiedenen Antriebsarten der Lok: Pantograf (Fahrleitungsstrom), Batterie oder Dieselaggregat. Dank des Tribrid-Betriebs wird der bisherige Dieselverbrauch um 92 Prozent verringert.

Neben diesen Grossaufträgen kommt es regelmässig vor, dass die Peko auch «nur» Einzelstücke überarbeitet und auffrischt. So hat sie für die Pilatusbahn zwei Triebwagen der steilsten und höchstgelegenen Zahnradbahn der Welt auf den neusten Stand der Technik gebracht. Für die Matterhorn Gotthard Bahn ist aktuell die Modernisierung von drei Steuerwagen des Autozuges in deren Depot in Brig in Abwicklung.

Für Unabhängigkeit und Flexibilität

Ihre Aufträge führt Peko RailTec heute vielfach dezentral aus. Entweder in den Depots der Kunden selbst, oder dann mietet sie sich für mehrere Monate in Hallen ein, die in Kundennähe liegen und in der ein Wagen nach dem anderen modernisiert werden kann. Die Fachkräfte und Spezialisten bringt sie ebenfalls mit.

Um in Zukunft flexibler und unabhängiger zu werden, plant die Peko AG eine eigene Infrastruktur im Sodi Industriepark. Der Industriepark ist per Gleis erschlossen, ans allgemeine ÖV-Netz angeschlossen und hat Platz für den Bau einer grossen Halle mit Gleisinfrastruktur. Die zu bearbeitenden Wagen und Loks könnten per Bahn direkt zur Halle geführt werden. 

Ihrem Geschäftsfeld möchte die Peko indes treu bleiben. Im Fokus stehen weiterhin: Revisionen an bestehendem Rollmaterial, Modernisierungsprojekte jeder Art, Inbetriebsetzungen und Betriebseinführungen neuer Schienenfahrzeuge, nachträgliche Integrationen von Systemen beispielsweise für WLAN, Sicherheit, Brandbekämpfung und so weiter. 

Das ideale Areal

Die Fläche für die Halle bleibt im Eigentum der Sodi Industriepark AG, sie stellt sie im Baurecht zur Verfügung. Das müsse laut Michael Odenwald, dem Delegierten des Verwaltungsrates, so sein. Nur auf diese Art sei es möglich, den Sodi Industriepark weiterhin zentral zu verwalten, mit Energie zu versorgen und erschlossen zu halten. 

Entscheidende Vorteile des Areals sind laut Peko, wie gesagt, der bereits vorhandene Gleisanschluss, gleichzeitig bleiben die Wege zum Hauptsitz in Bad Zurzach kurz. 

Umgesetzt werden soll die Halle auf Flächen, die auf dem Gebiet des Ortsteils Rekingen liegen. Geht es nach Nico Häusler, Geschäftsführer des Bereichs Peko RailTec, dann soll die Inbetriebnahme so bald als möglich erfolgen. Das Baugesuch ist eingereicht – und liegt wohl bald auf – der Spatenstich für die neue Halle ist für die erste Hälfte 2026 vorgesehen. «Es stehen zahlreiche Projekte in der Pipeline, wir sind froh, wenn die Halle ihren Betrieb im Jahr 2027 aufnehmen kann.»

Mit der Erweiterung werden innerhalb der Peko AG, die insgesamt rund 160 Mitarbeitende beschäftigt, 25 bis 30 Stellen geschaffen. 

160 Meter lang, 20 Meter breit

Die Dimensionen der Halle, welche für die Modernisierung und Inbetriebsetzung von Schienenfahrzeugen genutzt wird, sind eindrücklich. Die Rede ist von einem 20 Meter breiten und 160 Meter langen Bau. Hinzu kommt eine Werkstatt mit einer Fläche von 400 m2 – diese wird aktuell noch an der Ocostrasse geführt – ausserdem sind Büro-, Aufenthalts- und weitere Sozialräume geplant. Insgesamt wird eine Fläche von etwas über 3500 m2 beansprucht. 

Auf das Dach der Halle soll, so sieht es auch das Arealkonzept der Sodi vor, eine Photovoltaikanlage gesetzt werden. Geplant und umgesetzt wird die Halle durch regionale Partner, das Architekturbüro Janki AG aus Klingnau und das Planerbüro Resoplan aus Brugg. 

Mit der Halle und den Schienenfahrzeugen, die darin modernisiert werden sollen, seien, so Häusler, praktisch keine Emissionen verbunden. Die Arbeiten selbst seien nicht lärmintensiv, die Richtwerte des Industrieareals würden klar eingehalten. Es komme hinzu, dass in der Halle grösstenteils Triebzüge und Einzelwagen des Personenverkehrs sowie Loks bewegt werden sollen. 

Auch der mit der Neuansiedlung verbundene Bahnverkehr sei sehr überschaubar, die Rede sei von durchschnittlich ein bis zwei Fahrzeugbewegungen pro Woche. Häufig, so betont Häusler nochmals, stünden die Wagen und Loks mehrere Wochen in der Halle. 

Häusler sieht positive Nebeneffekte für die Region. Sobald die Halle in Betrieb sei, werde es immer wieder mal vorkommen, dass Loks und Bahnwagen aus der ganzen Schweiz auf «Stippvisite» im Zurzibiet seien. «Das wird sicher das Herz des einen oder anderen erfreuen, wenn hier plötzlich Eisenbahnfahrzeuge auftauchen, welche man sonst nicht in unserer Region sieht, oder auch mal ein Zug vorbeifährt, der erst noch in Betrieb gesetzt wird, den es offiziell noch gar nicht gibt.»

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