Ivan Kasjanik balanciert gebückt über eine mit zyklopischen Steinblöcken terrassierte Böschung. Er rollt einen fussballgrossen Flussstein vor sich her und platziert ihn in einer Lücke zwischen den Blöcken. Es sind Kasjaniks letzte Handgriffe mit denen er das Projekt «Offenlegung Hünikerbach» auf dem Bucher-Areal West im Auftrag der Bucher Guyer AG abschliesst. Zu seinen Füssen sprudelt das hübsche Bachgerinnsel bereits motiviert über Stock und Stein.
Von unten nach oben
Im vergangenen Sommer hat er nach den Plänen der Niederer + Pozzi Umwelt AG unterhalb des historischen Gebäudes der Firma Bucher-Guyer an der Surb mit der Gestaltung der Einmündung begonnen. Stück für Stück hat er sich durch überraschenden Untergrund etwa 70 Meter nach Norden gebaggert. Die Gewässerparzelle macht dann einen fast rechtwinkligen Knick nach rechts, um gute 60 Meter weiter östlich nochmals nach Norden abzubiegen. Etwas weiter oben floss der Hünikerbach bis dahin nach Westen in seinen unterirdischen Kanal.
Für Wasser- und Landlebewesen
Kasjaniks Auftrag: Es sollte innerhalb der etwa 14 Meter breiten und rund 2500 Quadratmeter grossen Gewässerparzelle einen leicht mäandrierenden Bachlauf gestalten, der Forellen wie auch anderen aquatischen und terrestrischen Mitbewohnern gefällt, den sie als Wohn- und Kinderstube, als Jagd- oder Wanderrevier nutzen können, und der die Fluten eines 100-jährigen Hochwasserereignisses sicher in die Surb ableiten kann. Begleitet und beaufsichtigt wird das Projekt von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer.
Ein Plan mit Spielraum
Was Kasjanik von anderen Maschinisten im Baugewerbe unterscheidet? Er muss damit klarkommen, dass er keine genauen Vorgaben bekommt. Der Plan, den er als Grundlage zur Hand hatte, ist nicht viel mehr als eine schematische Zeichnung dessen, was am Ende dabei herauskommen und wem es dienen soll. Hier ein Mäander mit groben Kieseln, da ein Wurzelstrunk, dort ein steiles und auf der gegenüberliegenden Seite ein seichteres Ufer – nur die markanten Richtungsänderungen und die Böschungen vor den Strassenunterquerungen sind stärker zu befestigen. Vieles ist aber dem Gutdünken Kasjaniks überlassen.
Ein Könner auf seinem Gebiet
Kasjanik ist kein Anfänger. Seit 14 Jahren arbeitet er bei der Birchmeier AG als Baggerführer und setzt Wasserbauprojekte um. Er sass schon bei der Gestaltung der Rietheimer Auenlandschaft an den Baggerhebeln und bei zahlreichen anderen Revitalisierungsprojekten. Dass er den Hünikerbach offenlegen sollte, war also kein Zufall, wie Norina Andres von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer erklärt. Solche Aufträge werden nur an Bauunternehmen vergeben, die entsprechend erfahrenes und begabtes Personal bereitstellen können.
Funktionales Bauwerk
Und zweifellos kann man ihm einen Sinn fürs Gestalterische nicht absprechen. Möglicherweise hätte er auch für die Brücke der Zufahrtsstrasse aufs Gewerbeareal eine hübschere Idee gehabt. Die aber muss funktional sein und das Gewicht von Lkw tragen können, wird doch ein Teil – der südöstliche des Areals West – künftig der Schweri Landmaschinen AG als Wirkungsstätte dienen.
Vernetzung von hüben und drüben
Unter der Brücke sorgen plattige Natursteinbankette dafür, dass landlebendes Getier künftig trockenen Fusses und gefahrlos entlang des Bachs bis auf die andere Halden-Kreiselseite gelangen kann. Die Vegetation entlang des neuen Bachlaufs wird ihnen nach und nach Wanderungen im Versteckten ermöglichen.
Riegelbeckenrampe
Kurz vor der Surbmündung fällt das Gelände etwas stärker ab. Damit der Aufstieg in den Hünikerbach für die Forellen trotzdem möglich ist, hat Kasjanik eine Riegelbeckenrampe gebaut. Versetzt quer liegende Steinquader stauen das Bachwasser zu kleinen Becken auf, in denen sich die Fische ausruhen können, bevor sie über Aufstiegsschlitze ins nächst höhere Becken schwimmen. Gerne würde man sich hier einmal auf die Lauer legen, um zu sehen, ob sie es denn auch wirklich tun.
Ein Monitoring ist bei einem so kleinen Gewässer nicht vorgesehen, erklärt Andres. Von den örtlichen Fischern, die am Projekt mitgearbeitet haben, wird aber schon mit einer Rückmeldung gerechnet. Beim Ausfischen des eingedolten Abschnitts vor dessen Trockenlegung, holte man immerhin fünf oder sechs Exemplare aus dem Bach.
Auf dem Areal gehen die Bauarbeiten weiter
Während auf definierter Fläche einem Bach ein neues Bett gemacht wurde, sieht das riesige Areal westlich davon aus wie eine Trümmerlandschaft. Aushubmaterial türmt sich in unterschiedlichen Qualitäten auf. Hier sind Bauarbeiten zur Verlegung der Kanalisation im Gange. Die neuen Leitungen nehmen künftig das Schmutzwasser des Areals und auch jenes aus dem Dorf auf, um es gesammelt in die bestehende Entsorgungsleitung aus dem Wehntal abzuführen. Wenn diese und andere Werkleitungen schliesslich sauber ins Erdreich eingearbeitet sind, wird die Zufahrtsstrasse mit Wendehammer erstellt.
Kasjanik blickt derweil zufrieden auf sein Werk. Auf ihn wartet schon die nächste Baustelle im Züribiet.









