«Ich habe mich schon als Bub für solche Sachen interessiert», erzählt Toni Frei beim Interview zu Hause am Rennweg. Und meint damit unter anderem die Standorte der Brunnen oder den Verlauf des Dorfbachs in Würenlingen.
«Ohne Dorfbach gäbe es Würenlingen gar nicht», stellt er fest. Weil es im Dorf nur wenige Quellen gebe, sei der Bach vor der Einrichtung der Wasserversorgung im Jahr 1912 sehr wichtig gewesen. Nicht nur für die Menschen selber, auch für ihre Kühe, Geissen oder Hühner. Entsprechend standen die meisten Häuser entlang des Dorfbachs.
Anhand von alten Karten fand Frei heraus, dass der Dorfbach einst viel weiter nördlich in die Aare floss. «Etwa auf der Höhe des Böttsteiner Ortsteils Eien auf Döttinger Gemeindegebiet», erklärt der 82-Jährige. Heute mündet der Dorfbach in der Nähe des Zwilag in die Aare, noch auf Würenlinger Boden.
Vaters alte Dokumente
Als junger Familienvater begann Frei, der wie sein Vater auf den Namen Anton getauft wurde, die Namen der Vorfahren aufzuschreiben. «Mein Vater hat viele alte Dokumente aufbewahrt, zum Beispiel Gerichtsakten von meinem Urgrossvater.» Dieser hiess ebenfalls Anton und lebte von 1833 bis 1903. Deckerantoni, so sein Dorfname, hatte das Haus an der Dorfstrasse 10 gekauft. Mit Dominikus Märki, der nebenan am Standort des heutigen Volg-Ladens wohnte, gab es einen Streit um ein Wegrecht. Nach einem Entscheid des Bezirksgerichts Baden 1897 musste sich das Obergericht in Aarau im Jahr darauf ebenfalls noch mit dem Nachbarschaftsstreit befassen. Und gab schliesslich Deckerantoni recht. Den Beinamen trug er, weil es in der Familie (Stroh-)Dachdecker gab.
Nachdem er einen Kurs besucht hatte, um die alte Schrift lesen zu können, ging Toni Frei bei verschiedenen Gemeinden vorbei, um die alten Familienregister zu studieren. Besonders gute Erinnerungen hat er an die Gemeinde Leuggern, von wo seine Frau Doris stammt, eine geborene Erne von Schlatt. «Da liess mir die junge Gemeindeangestellte freie Hand und ich konnte die alten Register frei studieren.» Geholfen hätten ihm bei der Erforschung der Familie Erne auch die Aufzeichnungen von Hermann J. Welti. «Er war mein Zeichnungslehrer an der Bezirksschule Endingen.»
Von Bartholomäus über Leo bis Anton
Auch den Büchern der Würenlinger Dorfgeschichte konnte Toni Frei viele Angaben entnehmen. Er erklärt, dass früher der Name auch Fryg, Fry oder Frey geschrieben wurde. Erstmals erwähnt ist die Familie in Würenlingen schon im 15. Jahrhundert. Seine Ahnentafel hat Toni Frei bis zu seinem Urururgrossvater Bartholomäus zurückverfolgen können, der im Haus Dorfstrasse 9 wohnte. Der oben erwähnte Urgrossvater Deckerantoni kauft dann 1872 das Haus an der Dorfstrasse 10, auf der andern Seite des Dorfbachs, das dessen ältester Sohn Leo (1867–1951) übernahm. Nach ihm wird die Linie auch s’Leone genannt. Es folgten Anton (1903–1975) und eben Toni (*1944), der 1968 in der früheren Scheune eine neue Wohnung eingebaut hat und mit der Familie, zu der bald drei Töchter gehörten, einzog.
Geheiratet wurde oft innerhalb des Dorfes; so ist Toni mit «Wirtsepis» verwandt, der Familie Schneider, der einst das «Rössli» (später «Bären») gehörte und in deren Eigentum die heutige Dorfschüür war. Auch die Namen Meier, Birchmeier und Bächli tauchen im Stammbaum auf. Für frisches Blut sorgten die Urururgrossmutter namens Hitz aus Untersiggenthal und die Ururgrossmutter namens Rohner von Rütihof/Baldingen.
Von alten Männern gehört
Weil von den Nachkommen niemand das Haus der Familie übernehmen wollte, haben Toni und Doris Frei es 2024 verkauft und sind in eine Alterswohnung am Rennweg umgezogen. In einem Fotobuch, mit Bildern seines Elternhauses auf dem Titel, hat Toni Frei die Familiengeschichte und persönliche Erinnerungen festgehalten. Dass er soviel von früher weiss, habe er auch «einigen alten Männern» zu verdanken, die vor 30 oder 40 Jahren noch lebten und von allerlei Begebenheiten zu erzählen wussten. So weiss er, dass sein Vater in seiner Jugend – neben der Arbeit auf dem Klein-Bauernhof der Familie – auch mithalf, die Eisenbahn-Barrieren im Unterfeld täglich mehrmals zu schliessen und zu öffnen. Oder er hat aufgeschrieben, dass an der Dorfstrasse 10 das erste WC mit Wasserspülung 1949 installiert wurde oder man die letzte Kuh 1955 an den Viehhändler Sigmund Bloch in Endingen verkaufte.
Was die Familie betrifft, gibt es im Moment wichtigeres, denn Toni und Doris Frei durften sich kürzlich über Familienzuwachs freuen. Letzten Dezember, kurz nach Weihnachten, sind sie erstmals Urgrosseltern geworden.








