Grosse Kräne, kleine Kräne, eingepackte Lastwagen und frei stehende Lastwagen bilden nur eine winzige Auswahl an Sammelobjekten, die an der Modellbörse im Ebianum in Fisibach auf unterschiedliche Weise ausgestellt werden. Tischreihen an Tischreihen inspizieren einige Besucher die Baumaschinen- und LKW-Modelle. Mancherorts wird gefachsimpelt, erklärt und auch verkauft.
Mittendrin ist Urs Peyer. Dies ist seine Welt. Vor allem Baumaschinen haben es ihm angetan. «Die Faszination für sie begann im Kindergarten», sagt er, «weil davor eine Baustelle war.» Besonders ihre Grösse und Kraft, aber auch die technischen Möglichkeiten ihrer Ausstattung hinterliessen bei ihm einen bleibenden Eindruck. So sehr, dass er selbst Baumaschinen haben wollte.
Das Sammeln von Modellen nahm seinen Anfang. Peyer kann sich noch gut an sein erstes Stück erinnern: «Ein Demag-Hochlöffelbagger H51, gekauft von meiner Mutter.» Was er sich zu Weihnachten und Geburtstagen wünschte, erübrigte sich damit. Es gab nur eine Antwort: Baumaschinen. Als er in die Schule kam, wurde auch das Sackgeld für Bagger, Muldenkipper und dergleichen, vornehmlich im Massstab 1:50, ausgegeben.
Gleichzeitig baute er vermehrt Lego-Modelle. Später ersetzte er die farbigen Bausteine durch Sperrholz. Seine Familie liess ihn gewähren, mahnte ihn aber hin und wieder, auf das Geld zu achten; auch der Satz, das sei eine Spinnerei, ist schon gefallen. Ans Aufhören dachte Peyer trotzdem nie. Durch sein Berufsleben in der Baubranche hat er gar sieben Tage die Woche rund um die Uhr mit Baumaschinen zu tun. Sie sind und prägen sein Leben.
Junge Sammler gibt es kaum noch
Dazu gehört auch das soziale Umfeld. Langjährige Bekanntschaften entstanden daraus. Und das überall auf der Welt: In den USA, Kanada, Holland, Österreich, Deutschland bis nach Australien. Die Community ist weit vernetzt. Peyer besuchte viele Baumaschinenmessen und -börsen im Ausland, von denen er immer wieder ein paar Modelle nach Hause nahm. Zudem knüpfte er viele Kontakte.
Hierzulande trifft er sich einmal im Monat in einem Restaurant im Zürcher Unterland oder Schwyz mit Gleichgesinnten. «10 bis 15 Nasen gross ist die Gruppe, einige sind bereits über 30 Jahren ein Teil davon», sagt Peyer. Dabei wird über Baustellen und Baumaschinen gesprochen – über die neusten Modell-Errungenschaften, die eigene Sammlung oder was man gerade sucht. Man tauscht sich aus, gibt Anschriften von Händlern weiter. Man teilt seine Leidenschaft.
Was Peyer schade findet: Die Szene ist überaltert. Junge Modellsammler von Baumaschinen sind rar geworden. Ein Grund sieht er in der zunehmenden Angebotsvielfalt. Während ein Kind oder ein Jugendlicher früher zwei, drei Hobbys nachgehen konnte, sind es heute mehr oder sie wechseln stetig. Ein Wendepunkt ist eher nicht in Sicht.
Anzahl Modelle sind beschränkt
Peyer beschäftigt sich deshalb lieber mit den positiven Seiten des Baumaschinen-Modellsammelns. Mittlerweile füllen sein Modellzimmer rund 1500 Stücke, viele davon von Caterpillar, alle gut sichtbar und in gläsernen Vitrinen ausgestellt. Wie viel er für die Sammlung in den vergangenen 50 Jahren ausgegeben hat, bleibt sein Geheimnis. Billig war es nicht.
Wichtiger ist für ihn ohnehin der emotionale Wert: Die Modelle helfen ihm, an stressigen Tagen abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen. An Wochenenden verbringt er mehrere Stunden damit, seine Baumaschinen umzubauen und mit neuen Komponenten zu optimieren, auch Aufträge von Kollegen nimmt er manchmal entgegen.
Ein grosser Zuwachs an Modellen ist aber kaum noch zu erwarten. «Ich habe mich auf eine bestimmte Anzahl beschränken müssen», sagt Peyer. Dies, weil der Platz nicht mehr ausreichte und er keine Sammlungsstücke in Kartons aufbewahren möchte.
Denn was er kauft, soll gesehen werden. Allerdings hält Peyer weiterhin Ausschau nach neuen Modellen, wofür im Gegenzug dann ein älteres ausgemustert wird. Dafür nutzt er seine Kontakte zu Händlern, informiert sich bei Kollegen oder im Internet oder schaut regelmässig im grossen Modell-Laden in Affoltern am Albis rein.
Zudem besucht er Börsen wie jene im Ebianum. Der Termin am letzten Samstag im April ist jeweils gesetzt. Wenn er durch den grossen Ausstellerraum geht, wird er ständig gegrüsst: Er kennt die Leute, sie kennen ihn. Es ist seine Welt.







