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ZURZIBIET

Das kollektive Gedächtnis aller

In Archiven wie dem Staatsarchiv in Aarau und in Zurzibieter Museen lagern Hinterlassenschaften, Zeitdokumente und Kulturgüter der Vorgängergenerationen. Mit ihren Sammlungen dokumentieren sie Geschichte und sichern das Kulturerbe.
Lebensraum 2026
Die Originalprotokolle der Regierungsratssitzungen seit 1803 sind in grossen Büchern im Staatsarchiv in gebundener Form erhalten. Bei einer Raumtemperatur von 20 Grad und bei maximal 50 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dank Mikrofilmaufnahmen können die Protokolle heute im Lesesaal eingesehen werden, ohne dass die Originalbände bewegt werden müssen.
Foto: Thomas Färber

In dieser «Lebensraum»-Ausgabe werden mehrheitlich Privatpersonen und ihre ganz persönlichen Sammlungen und Sammelleidenschaften vorgestellt.

Das Sammeln ist in der Region und im Kanton aber keineswegs auf Private beschränkt. Sowohl Firmen, Vereine und Stiftungen als auch Genossenschaften und die öffentliche Hand legen Archive und Sammlungen an.

Für öffentliche Organe wie die Einwohner-, Ortsbürger- und Kirchgemeinden, aber auch für die Gerichte, den Grossen Rat, die Regierung und die kantonale Verwaltung ist das Sammeln sogar ein Muss.

Das seit 2006 in Kraft stehende Gesetz über die Information der Öffentlichkeit, den Datenschutz und das Archivwesen (IDAG) verpflichtet sie zu Sicherstellung, Registrierung und Bewahrung aller Dokumente, «denen für die Öffentlichkeit und die Wissenschaft Bedeutung zukommt».

Das «Endarchiv» der Gesellschaft

Neben anderen Kulturinstitutionen und Sammlungen wie dem Aargauer Kunsthaus, dem Museum Aargau, der Aargauer Kantonsbibliothek und der archäologischen Sammlung des Kantons gilt das Staatsarchiv in Aarau als DAS zentrale Archiv des 1803 gegründeten Kantons Aargau – und seiner Rechtsvorgänger.

Das Staatsarchiv ist ein sogenanntes «Endarchiv». Die Dokumente und Sammlungen, die dort lagern, sind für die Ewigkeit aufzubewahren.

Gut zu wissen: Wenn irgendwo in einer Gemeinde im Zurzibiet der Entscheid gefasst wird, man wolle Archivgut aus einem kommunalen Archiv loswerden, ist dieses Archivgut zuerst dem Staatsarchiv zur Aufbewahrung anzubieten. Erst wenn auch das Staatsarchiv grünes Licht gibt, dürfen die Akten vernichtet werden.  

Alltagsdokumente und Raritäten

Das Staatsarchiv bewahrt Unterlagen aus dem Hochmittelalter bis zur Kantonsgründung auf sowie die systematische Dokumentation der kantonalen Verwaltung seit 1803.

Wer das Protokoll einer Regierungsratssitzung einsehen möchte, die vor 200 Jahren abgehalten wurde, kann das im Staatsarchiv (zu den Öffnungszeiten und auf Voranmeldung) problemlos machen. Die Protokolle von einst sind allesamt auf Mikrofilm aufgenommen und unkompliziert zugänglich. Die Originale der Regierungsratsprotokolle sind im Kellermagazin ebenfalls in gebundener Form erhalten, sie stehen dort in dicken, grossen Büchern.

Einsehen können Interessierte aber zum Beispiel auch das Maturitätszeugnis des Aarauer Kantonsschülers Albert Einstein. Das Gleiche gilt für Scheidungsurteile, die vor Jahren an den Bezirksgerichten gefällt wurden. Oder für einen privaten Brief, in dem Astrid Lindgren ihre Bewunderung für die Kinderbuchautorin Lisa Tetzner zum Ausdruck bringt. Er ist im Firmenarchiv des Sauerländer-Verlags erhalten geblieben, welches ebenfalls im Staatsarchiv aufbewahrt wird. 

14 Laufkilometer Akten

Würden alle Akten des Staatsarchivs aneinandergereiht, ergäbe das eine Strecke von fast 14 Laufkilometern.

Das Archiv ist, geordnet nach Herkunft, in unterschiedliche Abteilungen unterteilt. Neben altem und neuem Archiv führt es zum Beispiel auch Archive mit Nachlässen von Privatpersonen, mit Plänen und Karten, mit Sammlungen von Grafiken, Fotos, Siegeln und weiteren Objekten.

Die Akten sind grösstenteils, aber nicht ausschliesslich, in den Untergeschossen des «Buchenhofs» in Aarau untergebracht – in säurefreien Archivschachteln. Einzelne Sammlungen wie das Ringier Bilderarchiv mit seinen rund sieben Millionen Bildern wurden inzwischen ausgelagert an andere Standorte.

Wichtig: Nicht mit dem Staatsarchiv zu verwechseln ist die Sammlung von Museum Aargau. Sie umfasst weitere 50000 Objekte, ein Teil davon ist im Sammlungszentrum Egliswil untergebracht.

Seit zehn Jahren ist das Staatsarchiv zusammen mit der Aargauer Kantonsbibliothek und der kantonalen Fachstelle öffentliche Bibliotheken innerhalb der Abteilung Kultur als Sektion «Bibliothek und Archiv Aargau» zusammengefasst.

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