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BAD ZURZACH

Geschichte und Geschichten auf Postkarten

Georg und Beat Edelmann sind «echte» Sammler. Neben vielem anderen sammeln sie auch Postkarten aus Zurzach.
Postkarten
Beat und Georg Edelmann haben viele Ordner mit Postkarten von Zurzach gefüllt.

Wann haben Sie, liebe Leser, das letzte Mal eine Ansichtskarte gekauft und versandt? Wahrscheinlich geschah dies anlässlich einer Reise oder in den Ferien. In der heutigen Zeit mit E-Mail, SMS, Snapchat, Instagram und WhatsApp werden nicht mehr viele Karten geschrieben – auch wenn es den Empfänger jeweils sehr freut.

Anfänge

Als 1869 die «Correspondenzkarte» in Wien erfunden wurde, sah sie noch anders aus als die heutigen Ansichtskarten. Zuerst wurden diese Karten vor allem für Mitteilungen gebraucht, um beispielsweise einen Termin abzumachen. Dies war günstiger als zu telegrafieren und auch für den gleichen Tag möglich, da die Post bis 1914 in Städten der Industrieländer dreimal täglich verteilt wurde. Die Karten waren oft auf gelblichem oder bräunlichen Karton gedruckt, damit eventuelle Verfärbungen oder Verschmutzungen durch den Gebrauch nicht so auffielen.

Bis 1905 war auf der Vorderseite Adresse und Briefmarke, und auf der Rückseite befanden sich Bilder und Platz für die Mitteilung. Dazu Beispiele aus den Sammlungen von Beat und Georg Edelmann:

 

 

Sammeln

Georg und Beat Edelmann sammeln Postkarten mit Motiven von Zurzach, weil sie auf diesen Ort stolz sind. Bei beiden begann die Sammelleidenschaft schon in der Kindheit. Beat übernahm Karten von Vater und Grossvater. In den 1990er-Jahren habe er den «Vogel gehabt» und sei bis nach Olten zu Antiquitätenmärkten gereist und jeweils sehr stolz gewesen, wenn er ein Exemplar gefunden habe, das er noch nicht hatte.

Inzwischen wird im Internet gesucht, bis vor einigen Jahren noch zwei- bis dreimal pro Woche. In ihren zahlreichen Ordnern, in denen sie seit 2005 systematisch die Ansichtskarten einordnen, haben sie über 800 verschiedene Motive und über 1000 Karten, schwarz-weiss und farbig. Das seien sozusagen alle, da reiche nun ein wöchentliches Durchklicken für die Suche.

Dass es im Zurzibiet noch mehr Kartensammler gibt, haben sie übrigens per Zufall herausgefunden: Von Bekannten erfuhren sie, dass sie sich gegenseitig bei einem deutschen Grosshändler hoch gesteigert hatten. Sowohl Beat als auch Georg haben eine Höchstlimite – mehr als 150 beziehungsweise 100 Franken geben und gaben sie für eine Karte nicht aus.

Da beide auch viele weitere Dinge, wie Zurzacher Stiche, Briefmarken, «Schnipsel» zur Familiengeschichte, SBB-Gegenstände, Liedtexte, Unterlagen zu alten Quellfassungen und Marksteinen oder Berichte über alte Bräuche, sammeln, ist eine Limite sicherlich sinnvoll.

Geschichten erzählend

Interessant seien die Darstellungen auf den Karten auch in geschichtlicher Hinsicht. Durch ihr Wissen können sie oft Zusammenhänge auf den Karten erkennen und beschreiben, wie bei dieser Karte:

 

 

 

 

Als sich Georg vor neun Jahren auf der Suche nach unbekannten Motiven durch das Internet klickte, fiel ihm ein Angebot mit drei Karten auf – nicht wegen der Bilder, sondern wegen der Schrift auf der Rückseite. Er schaute genauer hin und erkannte, dass zweimal sein Vater der Absender war. Aufgeregt gab er darauf ein Angebot ab.

Die erste Karte zeigt das Hotel Restaurant Rad. Am 4. Mai 1953 heirateten Walter und Margrit Edelmann-Meyer in Zurzach und feierten dies mit einem Mittagessen. Walters Schwester Rosmarie war eingeladen, ihr Mann Walter Guggi gratulierte aus Kalifornien und erhielt als Dank eine Karte vom Hochzeitstag aus dem Restaurant. 1957 sind Walter und Rosmarie Guggi-Edelmann dann in Zurzach zu Besuch und schreiben ebenfalls eine Karte nach Kalifornien, die Badende im neuen Thermalbad zeigt. «Alle tragen Badekappen, das war damals Pflicht», meint Georg dazu. Auf der dritten Karte ist ein Panoramabild von Zurzach mit den provisorischen Badeanlagen; damit bedankt sich Walter Edelmann 1961 für die Glückwünsche aus Amerika zur Geburt seiner Zwillinge. Später zog Familie Guggi zurück in die Schweiz, zuerst in eine Wohnung, dann in ein Haus. Die drei Karten haben alle Umzugsaktionen mitgemacht. Als der Hausrat aufgelöst wurde, kamen die drei Exemplare – auf welchem Weg auch immer –zum Händler, der sie im Internet anbot. Georg erhielt die Karten schliesslich, die so wieder in Zurzach landeten, von wo aus sie den weiten Weg in die Welt gestartet hatten.

Gewiss können nicht viele Ansichtskarten eine solche spezielle Geschichte erzählen. Beat und Georg Edelmann faszinieren die kleinen Papiererinnerungen aber immer wieder aufs Neue.

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